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Veröffentlicht am Samstag, 05. April 2014 19:34
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Hans Joachim Kujath

 

Dynamiken regionaler Innovationsprozesse unter den Bedingungen des globalen und demographischen Wandels

(Veröffentlicht in: Miosga, Manfred, Hafner, Sabine (Hrsg.) (2014): Regionalentwicklung im Zeichen der großen Transformation. Strategien für Ressourceneffizienz, demographischen Wandel und Innovationsfähigkeit. München, Ökom Verlag, S. 157-181.)

1 Einleitung

In der Innovations- und Regionalforschung wird ein enger Zusammenhang zwischen räumlicher, kognitiver, institutioneller und sozialer/kultureller Nähe einerseits und dem Entstehen regionaler Wissens- und Innovationsdynamiken andererseits gesehen. Beispiele wie das Dritte Italien, Baden-Württemberg, Dänemark aber auch örtliche Produktionscluster wie in Tuttlingen scheinen diesen Zusammenhang eindrucksvoll zu belegen. Indem auf den Systembegriff zurückgegriffen wird, gelingt es, dieses Phänomen als ein funktionales Teilsystem der Gesellschaft zu fassen, das durch systemische Merkmale auf der Mikro- und Makroebene  geprägt ist. Im Modell des  ,regionalen Innovationssystems’ (RIS) bilden auf der Mikroebene die Akteure und ihre handlungsbezogenen Interaktionen konstituierende Systemelemente. Auf der Makroebene sind es die institutionellen Regeln, Organisationsmuster und kulturellen Prägungen (Werte, Normen, Rollen), die sich als Organisations- und Interorganisationssysteme tendenziell von den individuellen Interessen und Absichten der Akteure lösen, aber als Kontexte das Verhalten der Akteure beeinflussen (Willke 2001; Kujath & Schmidt 2010, S. 84).

Die Existenz regionaler Innovationssysteme als in sich geschlossener Teilssysteme wird jedoch zunehmend infrage gestellt. Denn beide Systemebenen scheinen im Gefolge einer sich ausdifferenzierenden globalen Arbeitsteilung im Produktions- und Wissenssystem einem tiefgreifenden Wandel zu durchlaufen. Betrachten wir die Makroebene, so steht das regionale Innovationssystem heute vor der Herausforderung, die Prozesse der Wissensgenerierung und Wissensverarbeitung so zu strukturieren, dass im Zuge der Globalisierung der Wertschöpfung auch die Wissen generierenden Aktivitäten verstärkt grenzüberschreitend koordiniert und gesteuert werden können (Gereffi 1999, Dicken 1998). Hierfür bedarf es offensichtlicher neuartiger  Governancestrukturen, die die Distanz zwischen den verschiedenen Arbeits- und Wissenskontexten überbrücken und gleichzeitig den Wissenstransfer und die Kombination unterschiedlichsten Wissens weltweit befördern  können (Boschma & Lambooy 1999, Nooteboom 1999, Boschma 2005). 

Auf der Mikroebene  stellen diese den regionalen Rahmen überschreitenden Beziehungssysteme neuen Herausforderungen für die handelnden Akteure dar. Neues Fachwissen muss in die individuellen kognitiven Modelle eingebaut werden und fremde soziokulturelle Kontexte und Arbeitskulturen (Wissen über die Muster der Makrokontexte) müssen verstanden und verarbeitet werden. Vor dem Hintergrund eines begrenzten persönlichen Vorwissens ist jedoch die Fähigkeit, fremdes Wissen zu absorbieren, beschränkt (Cohen & Levinthal 1989, Meusburger 2009). Diese Problematik wird noch dadurch verstärkt, dass der demographische Wandel nicht nur einen langfristigen Bevölkerungsrückgang bewirkt, sondern als Folge verlängerter Lebenserwartung ein sich zunächst beschleunigender Alterungsprozess der im Erwerbsleben stehenden Bevölkerung eintritt. Bezogen auf die regionalen Wissens- und Innovationsprozesse der Wirtschaft wird in diesem Zusammenhang immer wieder die Frage aufgeworfen, ob die demographische Entwicklung nicht zur Schwächung der Arbeitskräftebasis und deren Fähigkeit, sich in neuen Wissenskontexten zu bewegen, führt. Vor allem wird befürchtet, dass der alternde Arbeitskräftebestand den Herausforderungen eines sich tendenziell global ausdifferenzierende Innovations- und Wissenssystems nicht gewachsen ist und dadurch die regionalwirtschaftliche Dynamik ausgebremst werden könnte (Ragnitz & Schneider 2007,  Schat & Jäger 2010).

Im Folgenden werden der Systemansatz weiter vertieft und die auf der Makro- und Mikroebene des Innovationssystems angesiedelten neuen Herausforderungen diskutiert. Zunächst wird in Abschnitt 2  auf die Ausdehnung des Innovationssystems durch die Erschließung immer neuer Wissensquellen, sowie auf die möglichen Varianten der Governance dieser Prozesse aus einer regionalen Perspektive eingegangen. Daran schließt sich in Abschnitt 3 die Frage an, wie unter den Bedingungen der Alterung und Schrumpfung des Arbeitskräftepotentials die kognitive Beweglichkeit und Absorptionsfähigkeit fremden Wissens durch die  regionalen Wissensträger gestärkt werden können. Es wird abschließend in Abschnitt 4 auf die im Gefolge dieser Prozesse sich verändernde Rolle der Region zum Innovations- und Wissens-Hub eingegangen.

 

2 Integration externen Wissens als regionale Herausforderung

In der Literatur der vergangenen beiden Jahrzehnte über Innovationsprozesse ebenso wie in der praktischen Innovationspolitik steht die Region aus einer Makroperspektive als ein raumgebundener Wissenskontext im Zentrum. Theorieansätze und die ihnen folgende Politik wie die der  ,innovativen Milieus‘ (Camagni 1991, Maillat 1996), der ,regionalen Innovationssysteme‘ (Lundvall 1992) und der ,regionalen Cluster‘ (Kiese 2008) gehen allesamt von der Annahme aus, dass Lernen und Innovationen spezifische örtliche Phänomene sind, wobei die im regionalen Raum miteinander verbundenen Unternehmen und anderen Wissensträger wegen der Dichte, Vielfalt  und Intensität ihrer Interaktion zu einer beschleunigten Wissenszirkulation beitragen, aus der sie Wettbewerbsvorteile in Form von innovativen Produkten und Prozessen für sich ableiten können.  Folgt man den Logiken dieser Modelle, dann bilden die regionalen Interaktions- und Kommunikationsnetzwerke auch den Nährboden für das Entstehen spezifischer regionale Wissenskontexte, gleichsam als Nebenprodukt sich wiederholender unternehmensübergreifender Interaktion zwischen den beteiligten Wissensträgern (Makroebene des RIS). Diese Kontexte sind gleichzeitig aber auch eine Bedingung für das Gelingen der Wissenszirkulation zwischen den regionalen Akteuren (Howells 2000, S. 59, Jansen 2004).  Die in diesen Modellen dargestellten Wirkungszusammenhänge werden unter den Bedingungen sich global ausweitender Produktionssysteme, die mit einer parallelen Ausweitung und Differenzierung von Wissensdynamiken verbunden sind, zunehmend infrage gestellt (Owen-Smith & Powell 2004, Malmberg & Power 2005, Fritsch 2011, S. 73, Kujath & Stein 2011, S. 130). Wie lassen sich dann aber die faktischen regionalen Wissenskonzentrationen erklären und welche Funktion übernehmen die Regionen dann für die Lern- und Innovationsprozesse?

 

2.1 Dynamisierung des regionalen Innovationssystems durch externe Wissensbestände

Wird die Dynamik von Innovationsprozessen betrachtet, so durchläuft eine Innovation – vereinfacht dargestellt – eine Wissenstransformation, die sich aus drei Phasen zusammensetzt:  (1) Erkunden/Entdecken, (2) Testen/Prüfen und (3) (kommerzielle) Nutzung.  Bezugnehmend auf  March (1991) definiert Strambach (2008, S. 160) die erste Phase der Wissenserkundung als einen Prozess des Suchens und Findens von bisher ungenutzten Wissenspotentialen, die sich möglicherweise in bestehende Wissenskontexte von Unternehmen integrieren lassen. In der Phase (2) finden hingegen Experimentier- und Validierungsaktivitäten statt, die von den Unternehmen schließlich bis zur Marktreife in der dritten Phase geführt werden. Von zentraler Bedeutung für jeden Innovationsprozess ist die Phase des Erkundens und Entdeckens von Wissen, das sich mit den Wissensbeständen der Unternehmen zu neuem Wissen verbinden lässt. Es ist eine mit großen Risiken verbundene Phase, weil man sich noch nicht sicher sein kann, ob das neue Wissen von praktischem Nutzen für das Unternehmen ist.

Regionale Innovationsprozesse durch kumulative Wissensdynamiken

Die in Innovationsprozessen bisher am meisten verbreitete Form der Generierung und Anwendung neuen Wissens  lässt sich als kumulative Wissensdynamik umschreiben (Strambach & Klement 2011, S. 6). Klepper (2007, 2008) hat die spezifische Entwicklung von  Innovationsprozessen dieses Typs aus dem sich kumulativ entwickelnden Erbe spezialisierten am Ort gespeicherten Wissens abgeleitet und an Hand von US-amerikanischen Beispielen belegt. Seinen Überlegungen zufolge haben sich regionale Wissens- und Branchenspezialisierungen vor allem durch Ausgründungen, Neugründungen und die evolutorische Entwicklung von Unternehmen an einem Standort ergeben. In diesem Erklärungsmodell wird angenommen, dass den regionalen Innovationsprozessen eine schrittweise Weiterentwicklung der vorhandenen lokalen Wissensbasis zugrunde liegt.  Die in der Region in Unternehmen und anderen Organisationen gespeicherte Wissensbasis gibt danach Art und Richtung eines kumulativen, pfadabhängigen Innovationsprozesses vor  (Malerba & Orsenigo 2000, S. 290). Innovationen ergeben sich aus den vorhandenen kognitiven Schemata (dem Vorwissen), die den Prozess der Selektion, Abstraktion, Interpretation und Integration von Informationsangeboten bestimmen. Nach Meusburger (2009) geht vom Vorwissen eine Filterfunktion aus, die erklären kann, warum bestimmtes Wissen bevorzugt und andere vernachlässigt wird und warum dieses Wissen nur zwischen Orten mit ähnlichen Vorbedingungen zirkulieren kann.

Kumulative Innovationsprozesse sind eingebettet in soziokulturelle regionale Kontexte. Diese bilden eine räumlich gebundene kollektive Ressource die aus gemeinsamen Hintergrundannahmen, Sichtweisen, Erfahrungen, Konventionen und Routinen besteht und auf diese Weise zur Stabilisierung des regionalen Innovationssystems beitragen. Derartige Kontexte bilden sich in den Prozessen wiederholter Interaktion zwischen den regionalen Akteuren heraus, sie prägen die mentalen und kognitiven Modelle und erleichtern die Interaktion zwischen den Akteuren unter Bedingungen unvollständiger Information. Sie verstärken damit zugleich den kumulativen Charakter der regionalen Innovationsprozesse und festigen eine Tendenz, sich auf das in der Region verankerte spezialisierte Wissen zu beschränken. (Porter 1990, S.171).

Ausbruch aus eingespielten Innovationspfaden durch Kombination unterschiedlichen externen Wissens

Einen Schritt in Richtung Öffnung der regionalen Innovationssysteme gehen jene Ansätze, die mit Blick auf die wachsende Bedeutung von Hochschulen und Forschungseinrichtungen in Innovationssystemen, regionale Innovationsprozesse als Ergebnis eines Zusammenspiels von Hochschulen, Forschungs- und Bildungseinrichtungen als Wissen generierendes Subsystem auf der einen Seite und dieses Wissen anwendenden Unternehmen auf der anderen Seite betrachten (Autio 1998, Trippl & Tödtling 2011, S. 156). Ist das Wissen generierende Subsystem breit aufgestellt, kann es den anwendenden Unternehmen auch außerhalb der etablierten regionalen Innovationsroutinen generiertes Wissen (neue Forschungsergebnisse aus dem Wissenschaftssystem) zuspielen, das ihnen wie dem gesamten regionalen Innovationssystem einen Ausbruch aus kumulativen Entwicklungspfaden ermöglicht. 

Tabelle 1: Vergleich kumulativer und kombinatorischer  Innovationsprozesse

Merkmal

Innovationen  als kumulativer Prozess

Innovationen  als kombinatorischer Prozess

Kognitive Prozesse:

Geringe kognitive Distanz: Erweitern/Vertiefen der eigenen (sektoralen) Wissensdomäne

Hohe kognitive Distanz: Verknüpfung  unterschiedlicher Wissensdomänen zahlreicher Akteure

Soziale Beziehungen:

gemeinsame mentale Modelle, interpersonelles Vertrauen gemeinsames Grundverständnis

unterschiedliche  mentale Modelle,  Notwendigkeit von aufwendigen Integrationsleistungen

Institutioneller  Rahmen:

gemeinsame formelle und informelle Regeln, Gesetze, kulturelle Rahmenbedingungen

Anpassung an externe Regeln und kulturelle Rahmenbedingungen, Überwindung institutioneller Barrieren

Organisatorische Strukturen:

gemeinsame Organisationskultur  mit bekannten und anerkannten Regeln und  Routinen

Überbrückung unterschiedlicher Organisationskulturen

Geographische Muster:

Regionales Innovationssystem (regionale Cluster, Milieus)

Multiskalares Innovationssystem (regional, interregional, global)

 

Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an Kujath & Schmidt 2010

Sah man anfangs diese Arbeitsteilung noch als einen auf die Region beschränkten Vorgang, deutet derzeit viel darauf hin, dass parallel zur arbeitsteiligen Ausweitung von Produktionsprozessen über die Regionsgrenzen hinweg inzwischen auch Wissen aus ganz unterschiedlichen auf verschiedene Orte verteilten Wissensdomänen bezogen wird und die Region sich damit tendenziell zu einem Wissensknoten oder Innovations-Hub wandelt (Halkier & James 2010). Argumentiert wird, aufgrund  des  sich verschärfenden Innovationswettbewerbs, der globale Dimensionen annimmt, seien die Unternehmen in wachsendem Maße gezwungen, nicht nur periodisch sondern permanent  nach  neuen Lösungen für neu auftauchende Problem- und Fragestellungen zu suchen  und hierfür  unterschiedlichstes Wissen aus externen fachlichen Umwelten zu erschließen. Dieser Vorgang wird, im Unterschied zur kumulativen Wissensdynamik, als kombinatorische Wissensdynamik  bezeichnet (Strambach & Klement 2011).  Jüngere Untersuchungen belegen, dass zum Beispiel multinationale Unternehmen dazu übergehen, globale Innovationsnetzwerke aufzubauen, die auf spezialisierte weltweit verteilte Wissensressourcen nicht nur in den hoch entwickelten Ländern sondern auch in den Schwellenländern wie Indien und China zugreifen (Yun-Chung et al. 2008, S. 8). Auch kleine und mittlere Unternehmen versuchen externes Wissen in ihre Innovationssysteme einzubauen. Ein Beispiel hierfür ist die Schweizer Uhrenindustrie, die ursprünglich ein geschlossenes regionales Innovationssystem  im Schweizer Jura bildete, mittlerweile aber durch Kombination der eigenen Technik mit neuem Wissen aus Bereichen wie den Materialwissenschaften, dem Design, der Mode und des Marketing in der Lage ist, Produkte von besonderem Wert mit besonderen immateriellen Attributen zu schaffen (Crevoisier & Jeannerat 2009). Innovationsprozesse entfalten sich also zunehmend arbeitsteilig mit mehreren Partnern an unterschiedlichen Standorten in transdisziplinären Kontexten (vgl. Tabelle 1).

Innovation durch Einbeziehung von semiprofessionellem Konsumentenwissen

Im Rahmen der kombinatorischen Wissensdynamiken wird nicht nur professionelles Wissen aus unterschiedlichen Organisationen zusammengeführt, sondern inzwischen auch Nutzer von Produkten als semiprofessionelle Wissensquellen von den Unternehmen ausgebeutet (v. Hippel 2005). Konsumenten werden mit ihrem Alltagswissen zu Ideenlieferanten und Mitentwicklern von Produkten. Sie werden zu einem aktiven Teil einer Produktionskette, beeinflussen die Produktion und beteiligen sich teilweise sogar an der Generierung von Produkten (Design und Produktion on demand). In einem solchen erweiterten Innovationssystem verschwimmen die Grenzen zwischen Nutzern und Produzenten (Pine & Gillmore 2011). Seitdem Netzwerke wie Facebook, Twitter oder Blogs neue erleichterte Möglichkeiten des Wissensaustauschs geöffnet haben, sind die Marktmacht und der Einfluss der Nutzer auf  das unternehmerische Handeln merklich gestiegen. Viele neuartige Wissenskombinationen sind erst mit Hilfe des Web 2.0  möglich, wie z.B. Teamwork im Web, netzbasiertes Arbeiten mehrerer Menschen gleichzeitig an einem  Dokument (internetbasierte Redaktionssysteme) sowie Schwarmfinanzierung von Projekten vor allem auf regionaler Ebene durch Interessenten und Unterstützer (Musik, Filme, Bücher, Möbel, lokale Kultur-, Immobilien- und Stadtplanungsprojekte). Zwar laufen die meisten dieser Prozesse im virtuellen Raum ab, d.h. sie lösen sich aus den regionalen Kontexten und bilden eigene themenspezifische Kontexte. Aber alle Akteure sind real und verortet. Zur praktischen Umsetzung bedarf es ebenfalls verorteter Produzenten und Dienstleister, die als Akteure Fähigkeiten entwickeln müssen, sich den virtuellen Innovationsräumen zu öffnen.

 

2.2  Governance-Typen des Umgangs mit externem Wissen

Die große Herausforderung für derart weit gespannte Innovationssysteme besteht darin, außerhalb der eigenen Wissensbasis und des regionalen Settings entwickeltes Wissen zu erkunden und es in die eigenen Wissensbestände zu integrieren. Für diese neue Art der Wissensgenerierung bedarf es besonderer Governancestrukturen, die die Distanzen zwischen den Akteuren überbrücken können. Sie ersetzen oder reformieren die etablierten Institutionen, Praktiken und unterstützenden Politiken der kumulativen Wissensdynamiken in regionalen Innovationssystemen (Schmitz & Strambach, 2009). Den Akteuren stehen hierfür grundsätzlich vier Governance Formen zur Verfügung: Hierarchie, Markt, Netzwerk und Gemeinschaft  (Hollingsworth & Boyer 1997, Wittke et al. 2012).

Erwerb externen Wissens über Wissensmärkte

Die einfachste Form der Gewinnung externen Wissens durch regionale Unternehmen ist vor allem in der Industrie der Erwerb von Lizenzen und Patenten sowie Auftragsforschung. Der Marktmechanismus erlaubt aber nur  kodifiziertes, sehr klar definiertes Wissen zu erwerben, er hilft aber nicht weiter, wenn es um das Verstehen und die praktische Anwendung von Wissen aus fremden Wissensdomänen geht oder wenn dieses Wissen noch roh und wenig spezifiziert ist und folglich noch Klärungs- und Lernprozesse erforderlich sind, bevor es in die unternehmerischen Innovationsprozesse  integriert werden kann.  Jansen (2004) sieht die Schwäche von Märkten für den Bezug von externem Wissen darin, dass der Preismechanismus keinen Zugang zu dem hinter dem kodifizierten Wissen liegenden Entstehungs- und Nutzungsbedingungen, die implizit sind, erlaubt (Jansen 2004: 10). Ähnlich argumentiert Nooteboom (1992, S. 297), der erläutert, dass für den Austausch von Wissen die unterschiedlichen Erfahrungs- und Arbeitskontexte der Akteure zusammengeführt werden müssten. Um sich dieses Hintergrundwissen anzueignen, sei ein längerer Interaktions- und Kommunikationsprozess notwendig, d.h. die Organisation von ,untraded interdependencies‘ als eine den Markt ergänzende Koordinationsform.  Der Verkauf von Wissen aus dem Hochtechnologiebereich wird deshalb oft mit zusätzlichen Dienstleistungen verbunden, die der Implementierung, der Anpassung, der Instandhaltung und Aktualisierung beim Nachfrager dienen (Kujath & Schmidt 2010).

Eingliederung externen Wissens in hierarchische Organisationen

Während Märkte eine Auseinandersetzung mit den Entstehungskontexten des erworbenen Wissens nicht erlauben, lösen Hierarchien dieses Problem durch Integration der externen Wissenskontexte in die eigene Organisation. Vor allem global agierende Unternehmen können sich durch Unternehmensübernahmen und Fusionen Zugang zum impliziten Kontextwissen externer Wissensbestände verschaffen. Sie integrieren externes Wissen, indem sie die übernommenen Einheiten in die korporative sich global definierende Organisationskultur des Unternehmens einbauen und damit alle drei Phasen der Wissenstransformation an das Unternehmen binden. Aus organisationstheoretischer Sicht sind Hierarchien vor allem dann leistungsstark, wenn sie sich auf Routinen, also auf die Anwendung bekannten Wissens beziehen. Innovationsprozesse beinhalten jedoch einen Umgang mit neuem, bisher unbekanntem Wissen, neuartige Kombinationen von Wissen, die in vielfachen Feedback-Schleifen entstehen. Die hierfür notwendige Koordination ist in hierarchisch strukturierten Organisationen aufgrund starrer Abläufe  und langwieriger Entscheidungsprozesse zwischen den Hierarchieebenen schwierig zu gestalten. Während Unternehmen in der Vergangenheit ihre Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten auf verschiedenen Wissensfeldern konzentriert in zentralen Einheiten meist in der Nähe der Firmenzentrale (Siemens) zusammengefasst haben, entwickeln diese heute oft als Reaktion auf ihre organisatorische Unbeweglichkeit eine dezentralisierte Innovationsarchitektur. Forschungsfilialen an separaten Standorten mit einer hoch spezialisierten Wissensbasis bilden in solchen Firmen innerhalb eines unternehmensinternen Innovationsnetzwerkes inzwischen oft Zentren der Exzellenz auf spezifischen Fachgebieten oder  in spezifischen Produktlinien (Schmitz & Strambach 2009). Damit wird einerseits versucht, die Schwerfälligkeit und Inflexibilität von hierarchischen Strukturen abzumildern und zum anderen regionale Wissenskonzentrationen abzuschöpfen. Gleichwohl bleibt es eine nicht konfliktfreie Gratwanderung, einerseits den Zusammenhalt der Unternehmen durch hierarchische Organisationsprinzipien zu sichern und gleichzeitig den dezentralen Einheiten so viel Eigenleben zuzugestehen, dass sie die Bindung an ihren regionalen Wissens- und Innovationskontext  nicht verlieren.

Zusammenführen externer Kompetenzen zur Generierung  gemeinschaftlichen Wissens in Netzwerken

Kombinatorische Wissensdynamiken entwickeln sich bevorzugt im Rahmen von Kooperationsbeziehungen. Vor allem bei radikalen Neuentwicklungen lassen sich in der Anfangsphase noch keine klar abgrenzbaren Ergebnisse erkennen. In diesen Fällen bieten sich organisatorische  Lösungen an, die es den Unternehmen ermöglichen, Teile ihrer Wissensproduktionskapazitäten für gemeinsame Entwicklungsprojekte zusammenführen, um eine von allen Beteiligten nutzbare Wissensgrundlage zu generieren (Wittke et al. 2012, S. 12). Während große multinationale Unternehmen eher organisationsinterne Vorgehensweisen präferieren, stellt die Kooperation für kleine und mittlere Unternehmen (KMU), deren finanzieller Handlungsspielraum meist begrenzt ist, oft die einzig Möglichkeit dar, größenspezifische Nachteile in Innovationsprozessen auszugleichen und im wechselseitigen Austausch Synergien zu erzielen. Bei dieser Governance-Form handelt es sich um eine vertraglich geregelte Zusammenarbeit  mit dem Ziel, unterschiedliche Wissen zu bündeln und dessen Nutzungsmöglichkeiten für ein gemeinsames Ziel (z.B. Elektromobilität, neue Fertigungssteuerung der Industrie 4.0, Ressourceneffizienz usw.) auszuloten. Jeder Kooperationspartner übernimmt jeweils spezifische Aufgaben im Netzwerk und bringt zur Erreichung eines gemeinsamen Ziels in temporären Projektzusammenhängen seine Kompetenzen in den gemeinsamen Wissenspool ein (Malmberg & Power 2005, S. 281). Die Zusammenarbeit bezieht sich meist auf  größere inhaltlich und zeitlich begrenzte Projekte, die sich auf die erste Phase der Wissenstransformation (Erkunden/Entdecken) beziehen, während jeder einzelne Partner die Phase der Validierung und des Testens sowie der kommerziellen Umsetzung in eigener Regie durchführt. Dabei wird bewusst in Kauf genommen, dass die Partner einen Zugriff auf die eigenen Wissensbestände und Kontexte der Wissensgenerierung erhalten. Die gemeinschaftliche Generierung neuen Wissens hat schließlich zur Folge, dass alle Beteiligten eine gemeinsame Kontrolle über das neu entstehende Wissen ausüben, aber jeder einzelne Teilnehmer durch abgestimmte Nutzung dieses neuen Wissens mit einer eigenen Innovationsleistung zum Gesamtergebnis beiträgt, das ohne Kooperation nicht zustande käme (Kujath & Stein 2011, S. 141).

Zusammenführen von externen Kompetenzen zur Generierung kollektiven Wissens in (virtuellen) Gemeinschaften

In Gemeinschaften werden auf den unterschiedlichsten Wissensfeldern Erfahrungen ausgetauscht, Hintergrundwissen geteilt und Lernprozesse angestoßen  (Nutzergemeinschaften, fachliche Gemeinschaften, kollegiale Gemeinschaften, Diskursplattformen, Ideenwerkstätten, Foren).  Das hier generierte Wissen wird außerhalb und neben den miteinander konkurrierenden Unternehmen erzeugt und vergrößert zunächst einmal nur das persönliche Wissen der in einer Gemeinschaft miteinander kommunizierenden Personen ohne einen direkten Bezug zum Wissensbedarf einzelner Unternehmen und ohne ein unmittelbares erwerbswirtschaftliches Interesse zu verfolgen.  Am Beispiel des Silicon Valley weist Saxenian (1992, S. 326) z.B. nach, wie in  informellen Gemeinschaften Unternehmer und Fachleute zusammentreffen, um technische Informationen auszutauschen und die Gemeinschaft nutzen, um kommerzielle und soziale Beziehungen aufzubauen sowie mögliche neue Geschäftsfelder zu erkunden. Auch in Deutschland haben sich zahlreiche Gemeinschaften ähnlichen Typs als Diskursplattformen, runde Tische oder Foren gebildet, die häufig die Organisationsform von Vereinen annehmen. In ihnen finden sich Personen zusammen, um regionale soziale und wirtschaftliche Themen zu diskutieren, Projektideen zu formulieren, Projekte vorzubereiten, Kontaktnetze auszubauen und zur Bewusstseinsbildung beizutragen (Kujath et al. 2010, S. 77).

Neben solchen Gemeinschaften von Experten entwickeln sich in jüngster Zeit viele Nutzer- und Konsumentengemeinschaften, deren Mitglieder mit ihrem semiprofessionellen Wissen soziale Prozesse gemeinsamen Lernens organisieren, die sich um Dinge des alltäglichen Lebens drehen (s.o.). Verstärkt durch das Web 2.0 genießen Gemeinschaften dieses Typs, eine zunehmende Wertschätzung  auch bei den Unternehmen, die durch Mitarbeit versuchen, Konsumentenwissen für unternehmerische Handlungskontexte zu nutzen (von Hippel & von Krogh 2003). Heute werden von vielen Unternehmen Konsumenten systematisch als Ideenlieferanten und Mitentwickler von Produkten gewonnen, indem diese in ausgewählten Online Communities gezielt angesprochen werden. Chesbrough (2003) ist angesichts dieser Entwicklung der Meinung, dass das meiste neue Wissen außerhalb des Unternehmens zu finden sei und es infolgedessen eine riskante Innovationsstrategie sei, sich nach außen abzuschirmen und Möglichkeiten der Nutzung des Wissens von Nutzergemeinschaften außer Acht zu lassen.

In Gemeinschaften, gleichgültig, welches Ziel sie verfolgen, wird Wissen nicht mehr als exklusives Eigentum der Unternehmen verstanden, es verteilt sich vielmehr auf die Unternehmen, Kunden, Zulieferer, Wettbewerber, Wissenschaft und Forschung.  Gemeinschaften sind informelle wissensbasierte Strukturen, innerhalb derer die Akteure nur begrenzt einen Zugriff auf das Wissen der anderen Mitglieder haben und auch nicht exklusiv darüber verfügen können. Dies erschwert zwar aus unternehmerischer Sicht dessen Integration in die eigenen Wissenskontexte, denn die von der Gemeinschaft in der Regel erzeugten frei verfügbaren Wissensergebnisse sind nicht auf  die unternehmerischen Anforderungen zugeschnitten. Anders auch als in Kooperationsarrangements besteht nur eine begrenzte Gestaltbarkeit des Prozesses der Wissensgenerierung. Aber sie sind gleichwohl wichtige Organisationsformen, in denen neue Ideen und kritische Auseinandersetzungen um ein Wissensthema einen Artikulationsraum finden und insofern auch das Wissen der Unternehmen bereichern.

Tabelle 2: Zugriff auf Kontexte und Verwendung von externem Wissen in verschiedenen Governance-Formen

 

Verwendung des externen Wissens

Kontrolle über das externe Wissen (exklusive Verwendung)

Keine Kontrolle über das externes Wissen (keine exklusive Verwendung)

Erzeugungsprozess des externen Wissens

Zugriff auf externen Kontext

Hierarchie

Netzwerk

Kein Zugriff auf externen Kontext

Markt

Community

Quelle: eigene Darstellung nach Wittke et al. 2012

 

 Region als Hub global verteilten Wissens

In Tabelle 2 sind die Ambivalenzen der vier Governance Typen für die Beschaffung und Integration externen Wissens dargestellt. Für die Entwicklung der regionalen Wissensbasis und die regionalen Innovationsprozesse ist die regionale Verankerung der von den Governance Typen ausgelösten Wissensflüsse entscheidend. Sorgt der Erwerb von Wissen über die Märkte für einen Zufluss von Wissen in die Region? Sind die regionalen Firmen innerhalb eines internationalen Kooperationsnetzwerks zentrale Wissensknoten? Fließt den regionalen Firmen durch Fusionen mit anderen Firmen Wissen zu oder fließt das regionale Wissen ab?  Gelingt es den Unternehmen Kundenwissen aus Nutzergemeinschaften für den regionalen Produktionsstandort zu kanalisieren?  Die Perspektive der Region als Innovationsstandort hängt also davon ab, inwieweit es möglich ist, den Standort zum Hub eines differenzierten Governance-Systems der Wissensgenerierung zu organisieren, das alle wichtigen regionalen Wissensträger einbezieht und diese dazu animiert, auf  innerregionales und weltweit verteiltes Wissen im Rahmen der vier Governance Formen zuzugreifen. Dies bedeutet nicht nur, Fähigkeiten zu entwickeln, selektiv aus der Vielfalt weltweit verteilter Wissensbestände auszuwählen, sondern in den meisten Fällen auch, aus den lokalen Wissenskontexten heraus sich Zugang zu den Kontexten externen Wissens zu verschaffen, das heißt, sich in die fachspezifischen Diskurse, Erfahrungsaustausche und Innovationsansätze einzuklinken. Ein solcher Zugang ergibt sich nicht von selbst, sondern bedarf spezifischer Anstrengungen und  hängt unter anderem von der Gestaltung der  institutionellen Rahmenbedingungen ab. Innovationsstandorte, die besonders günstige institutionelle Voraussetzungen zur Integration  global verteilten Wissens geschaffen haben,  zum Beispiel durch Fachmessen, wissenschaftliche Veranstaltungen, Kooperationsprojekte mit Akteuren aus unterschiedlichen sektoralen Kontexten und Regionen oder durch die Entwicklung von Schnittstellen international vernetzter Hochschulen und Forschungseinrichtungen mit der regionalen Wirtschaft usw., können tendenziell zu dynamischen Innovations-Hubs aufsteigen.

 

3  Wissen und Kreativität des regionalen Arbeitskräftepotentials

Kombinatorische Wissensdynamiken verlangen auf der Mikroebene besondere Kompetenzen und Fähigkeiten der Arbeitskräfte. In empirischen Untersuchungen wird nachgewiesen, dass derartige Kompetenzen zu großen Teilen in den Regionen verankert sind und regionale Arbeitsmärkte für die wissensbasierte Wirtschaft nach wie vor das wichtigste Rekrutierungsfeld von Wissensarbeitern sind. Diese werden zwar in zunehmendem Maße durch Spezialisten aus dem nationalen und internationalen Raum vor allem in der wissensbasierten Dienstleistungswirtschaft ergänzt (Schmidt 2010: 268). Das in der Region verankerte Wissen der Akteure bildet aber  immer noch die Basis auch für das über die Region sich ausdehnende Innovationssystem. Die Entwicklung des Innovationssystems und die persönliche Transformation der regionalen Akteure gehen dabei Hand in Hand, d.h. Innovationsprozesse können nur stattfinden, wenn die regionalen Akteure innerhalb dieses Systems lernbereit sind, Hunger nach neuen Ideen haben, und fähig sind, mit Akteuren aus externen Wissensdomänen zu kommunizieren.  Je mehr die Innovationssysteme sich zu immer komplexeren Prozessen der Wissenstransfornation wandeln, desto schwieriger wird jedoch die Rekrutierung von Mitarbeitern, die fähig sind, unterschiedliche weltweit verteilte Akteure, Wissensdomänen und Wissenskontexte miteinander zu verknüpfen.  Hinzu kommt, dass die Nachfrage nach hochqualifizierten, kognitiv beweglichen Arbeitskräften in den Regionen auf einen schrumpfenden und alternden Arbeitskräftebestand stößt. Sinkende Bevölkerungszahlen führen einerseits zu einer abnehmenden Erwerbsbevölkerung, und andererseits zu einem steigenden Anteil älterer Erwerbspersonen. Lässt sich mit diesem Bestand an Arbeitskräften die Öffnung des regionalen Innovationssystems bewältigen?  Welche Maßnahmen können ergriffen werden, um das Wissen bzw. Handlungsvermögen eines alternden und schrumpfenden Pools an Wissensarbeitern den veränderten Wissens- und Innovationsanforderungen anzupassen?

 

3.1 Regionale Akteure und neue Formen der Wissensarbeit in Innovationsprozessen

Betrachtet man die sich externem Wissen öffnenden Innovationssysteme von der Mikroebene aus, besteht für die in diesem System tätigen Wissensarbeiter die Herausforderung darin, integrative Fähigkeiten zu entwickeln, mit deren Hilfe sie heterogenes, verteiltes Wissen sammeln, kombinieren und zu neuem Probleme lösenden Wissen verdichten können (von Einem 2009,  Malmberg & Power 2005).  Derartige Fähigkeiten beziehen sich sowohl  auf die fachinhaltliche Seite als auch die Wissenskontexte, d.h. die Sprache, die Regeln der Kommunikation und der Zusammenarbeit.  Insbesondere in der ersten Phase der Wissenstransformation, des Entdeckens Erkunden und Absorbieren von externem Wissen, wird integratives Wissen benötigt und von hierfür besonders qualifizierten Wissensspezialisten  (knowledge specialists) eingesetzt. In den Phasen zwei und drei der Wissenstransformation werden dagegen besondere Fähigkeiten der Anwendung des neuen Wissens verlangt, ohne die der auf  Wissenskombination basierende Innovationsprozess ebenfalls ins Stocken geriete. Solche Fähigkeiten werden von den sogenannten Wissensanwendern (knowledge operators) angeboten. (Nonaka  & Takeuchi 1995, S. 152, Capurro 1998).

Wissensspezialisten als zentrale Vermittler externen Wissens

Wissensspezialisten in Forschungsinstituten, Softwarehäusern, Beratungsdienstleistungsunternehmen sind Akteure, die mit verschiedenen Wissenskontexten an möglicherweise verschiedenen Standorten vertraut sind. Sie sind ,boundary spanners’, die sich dadurch auszeichnen, dass sie durch De- und Rekontextualisierung über die kulturellen Wissensgrenzen hinweg Übersetzungsleistungen zwischen verschiedenen Wissensdomänen im Rahmen der Governance-Formen Markt, Hierarchie, Netzwerk, Gemeinschaft  erbringen können.  Arbeiter dieses Typs arbeiten mit Informationen, Ideen und Fachkenntnissen und erzeugen als Output Ideen, Konzepte, Strategien. Ihre Arbeit besteht vor allem darin, Wissen zu erkunden und zu erschließen, das bisher noch nicht in die unternehmerischen Verwertungsprozesse eingeflossen ist (z.B. neues technisches Wissen, wissenschaftliches Wissen, Kundenwissen, kulturelles und Freizeit bezogenes Wissen aber auch brach liegendes Wissen innerhalb der eigenen Organisation). Sie kombinieren unterschiedliches explizites Wissen (technisches Wissen, wissenschaftliches Wissen, expliziertes Laienwissen) und suchen nach Explizierungsmöglichkeiten von implizitem Wissen. Eine solche Übersetzungsleistung  war zum Beispiel entscheidend für den Aufstieg der IT-Industrie in Taiwan. Durch die Rückwanderung in Taiwan geborener und in den USA ausgebildeter sowie mit der IT-Industrie des Silicon Valleys vertrauter Personen wurde in Taiwan eine dynamische Entwicklung der IT-Industrie ausgelöst und gleichzeitig eine Wissensverflechtung zwischen beiden Innovationsregionen, ungeachtet unterschiedlicher Schwerpunktsetzungen, unterschiedlicher kultureller  Kontexte, unterschiedlicher Arbeits- und Wissenskulturen, ermöglicht (Saxenian  & Sabel 2008). Schmitz & Strambach (2009, S. 240) sehen die Nachfrage nach Übersetzungsleistungen auch als eine Ursache für das rasante Anwachsen des Wirtschaftsbereichs der wissensintensiven unternehmensbezogenen Dienstleistungen. Mitarbeiter solcher Dienstleister sind darauf spezialisiert, neue Entwicklungspfade für etablierte Innovationssysteme aufzuzeigen und zu fördern. Sie sind Intermediäre des Wissens.  Für die sich externem Wissen öffnenden regionalen Innovationssysteme sind Wissensspezialisten heute, da ein Pfadwechsel des gesamten Innovationssystems unter dem Postulat der Nachhaltigkeit ansteht, zentrale Akteure bei der Suche nach neuen Technologiepfaden, neuen Energiesystemen, neuen Mobilitätskonzepten, neuen organisatorischen Logiken des Wirtschaftens usw. (Brandt 2012, S. 59).

Absorption neuen Wissens durch Wissensanwender

Wissensspezialisten verändern mit ihrer Expertise die Arbeitsgrundlagen der Wissensanwender (knowledge operators), die ihr bisheriges  implizites Wissen und oft auch ihr Fachwissen, das heißt ihre Fertigkeiten und ihr Können den sich wandelnden Anforderungen anpassen müssen. Für Wissensanwender ist dieser Anpassungsprozesse eine besondere Herausforderung, sind ihre Praktiken doch auf Bewahren und Replizieren von Wissen, auf Innovationen in kleinen Schritten und praxisbasiertes Lernen am Gegenstand gerichtet. Damit Wissensdynamiken auch in reale wirtschaftlich verwertbare Innovationen münden, müssen die Wissensanwender sich selbst transformieren, altes Wissen abstoßen und neues erlernen. Sie müssen sich eine neue Beweglichkeit aneignen und in der Lage sein, eingespielte Handlungs- und Wahrnehmungsmuster sowie Gewissheiten abzulegen (Krohn 1997, S. 64). Dieser Prozess des Lernens im Umgang mit neuem Wissen verlangt von ihnen als eine weitere Fähigkeit, mit Wissensspezialisten und Wissensarbeitern aus anderen Fachgebieten zu interagieren. Teams und Arbeitsgruppen von spezialisierten Beschäftigten mit unterschiedlichen Qualifikationen werden zu tragenden Formen der Arbeit innerhalb der Firmen und des regionalen Innovationsprozesses, zunehmend aber auch in weltweit organisierten Arbeitszusammenhängen. Wird darauf verzichtet, die Beweglichkeit der vor allem aus der Region stammenden Wissensanwender (deren ,fluide Intelligenz’) zu fördern, werden auch die von den Wissensspezialisten ausgehenden Anstöße zur Erneuerung versanden. Insofern ist die Förderung der kreativen Fähigkeiten der Wissensanwender von ebenso großer Wichtigkeit, wie die Bindung der Wissensspezialisten an die Region.

 

3.2 Governance der Kompetenzen und Fähigkeiten des Arbeitskräftebestandes

Die besonderen integrativen Fähigkeiten zur Bewältigung der drei Phasen der Wissenstransformation in einem kombinatorischen Wissens- und Innovationsprozess werden von den regionalen Arbeitskräften nicht automatisch angeboten, zumal als Folge des demographischen Wandels die Zahl junger flexibler Erwerbspersonen drastisch abnimmt, während die Zahl und der Anteil älterer eher Wissen bewahrender  Erwerbspersonen beständig zunimmt. Wie jüngere Untersuchungen zum Zusammenhang von Erfindergeist und Alter der betrieblichen Belegschaften belegen, sind die geburtenstarken Jahrgänge der Generation 50+ bisher nur begrenzt auf die neuen Aufgaben der Wissensspezialisten und –anwender  vorbereitet.  Zumindest belegen diese Studien, dass in Unternehmen mit einer älteren Belegschaft auch die Kreativität und Innovationsfähigkeit abnimmt (Schat & Jäger 2010, Kay et al. 2008 S. 53). Gleiches gilt für die Bereitschaft, sich selbständig zu machen, also für das Innovationsprozesse antreibende Gründergeschehen, das im Alter über 50 Jahre kaum mehr stattfindet. Dahinter steht eine verbreitete Praxis, das erste Drittel des Berufslebens für die Entfaltung von  Kreativität und Innovativität zu nutzen und im  weiteren Karriereverlauf sich auf eine auf Erfahrungen beruhende Tätigkeit zurückzuziehen (Harhoff 2008). Bliebe es dabei, wären die Chancen gering, die regionale Wissensbasis zu dynamisieren und die Region zum Hub eines weitverzweigten überregionalen Innovationssystems zu gestalten.

Bindung hochqualifizierter Wissensspezialisten an die Region

Zur Bewältigung der Integrationsprobleme externen Wissens, externer Partner und Nutzer-Communities in die Anwendungskontexte eines regionalen Innovations-Hubs  sind zunächst spezifische Fähigkeiten der Übersetzung auf Seiten der Wissensspezialisten gefragt: breite fachwissenschaftliche Kenntnisse, interkulturelle Kompetenzen sowie Kommunikationskompetenz.  Eigene Untersuchungen zeigen, dass der Anteil hochqualifizierter Arbeitskräfte in den entsprechenden Dienstleistungsunternehmen im Durchschnitt wesentlich höher ist, als in Hochtechnologiebetrieben, in  denen Wissensanwender dominieren. Wissensspezialisten sind auch räumlich mobiler als Wissensanwender und haben in der Regel eine akademische Ausbildung, häufig sowohl in technischen als auch in sozialwissenschaftlichen Handlungsfeldern. Dieses Wissen entwickeln sie in der  Zusammenarbeit mit ihren Kunden weiter, das heißt im Rahmen ihrer Beratungstätigkeit erwerben sie von ihren Kunden beständig neues Wissen (lernen), weshalb Unternehmen Wissensspezialisten mit Berufserfahrung  als Berater bevorzugen (Schmidt 2010, S. 265). Für die regionalen Innovationssysteme ist die Ausbildung und Bindung derartiger Spezialisten von existenzieller Wichtigkeit. Regionale Hochschulen mit einem zum regionalen Innovationsschwerpunkt  passenden Fächermix können einen Beitrag zur Herausbildung eines regionalen Stammes von Arbeitskräften leisten, der sich auf das Erkunden und Entdecken neuer Wissenskombinationen konzentriert. Der überregionalen Rekrutierung von Experten mit Berufserfahrung aus anderen regionalen Wissenskontexten und Unternehmenskulturen kommt eine ebenso große Bedeutung zu, um ,frisches‘ Wissen in die Unternehmen des regionalen Innovationssystems zu übertragen (Schmidt 2010). Ein wichtiger Baustein im Rahmen einer solchen Strategie sind  auch Rückholstrategien für Wissensarbeiter, die die Region in einer bestimmten Lebensphase verlassen haben, z.B. zum Studium und Arbeiten an anderen Standorten, aber grundsätzlich rückkehrwillig sind.

Bildung und Weiterbildung zur Erhaltung der Lernfähigkeit der  regionalen Wissensanwender 

Auf Seiten der Wissensanwender sind dagegen, im Unterschied zu den Wissensspezialisten, die  innerhalb eines Anwendungskontextes sich zwangsläufig einspielenden Routinen wiederholter  Nutzung einmal erworbenen Wissens aufzubrechen. Die Umsetzung der durch Wissenskombination generierten neuen Produkt- und Prozessideen bedarf auf der Anwenderseite kognitiver Beweglichkeit, fluider Intelligenz  und Lernbereitschaft insbesondere auch älterer Arbeitskräfte. Dies schließt die Überwindung traditioneller Berufsbilder und Verhaltensweisen ein (Kujath 2012, S. 191, Troeger-Weiß et al. 2008, S. 71).  Neben dem Schwerpunkt der Nachwuchsförderung und den verschiedenen praktizierten Ansätzen einer Bindung des Nachwuchses an die Region setzt sich die Erkenntnis durch, dass die Gestaltung der Rahmenbedingungen für die Weiterbildung der älteren Erwerbspersonen besondere didaktische und organisatorische Probleme aufwirft. Vor allem die Generation 50+ in die Lage versetzt werden, die technologischen und andere die Wirtschaft tragende Umwälzungen zu verarbeiten. Lernprozesse beziehen sich folglich nicht nur auf das Erlernen neuen Faktenwissens, sondern von Fähigkeiten, auf dieser Basis auch mit neuen Verfahren der Umsetzung in Produkte und Dienstleistungen zu experimentieren. Regionale Beispiele zeigen, dass in enger Zusammenarbeit zwischen lokaler Politik, den Kammern, der Wirtschaftsförderung, den Kreditinstituten, den lokalen und regionalen Unternehmen sowie Bildungs- und Weiterbildungsträgern regionale Lernprozesse initiiert werden können.  Das Handlungskonzept der „lernenden Region“ zielt darauf, Bildungsnetzwerke zwischen allen Anbietern der Allgemeinbildung und beruflichen Bildung zu etablieren und lebenslanges Lernen auf regionaler Ebene zu fördern (Emminghaus & Tippelt 2009). Bezogen auf die Strategien der Erhaltung und Entwicklung des Humankapitals durch Weiterbildung wird auch immer wieder betont, dass Hochschulen eine führende Funktion bei der Etablierung regionaler Lernzentren übernehmen können und Hochschulen deshalb für selbstgesteuertes Lernen auf der regionalen Ebene besonders wichtig sind (Charles 2006).

 

4 Fazit: Region als Basis für die Verarbeitung global verteilten Wissens

Öffnung des regionalen Innovationssystems

Regionale Innovationssysteme als sich selbst genügende Systeme  (Drittes Italien, Baden-Württemberg) werden nach den vorliegenden jüngeren Untersuchungen über Innovationsprozesse und diesen zugrunde liegende Wissensdynamiken heute abgelöst von in Regionen verankerten Innovationsprozessen, die sich aus den engen Bindungen an eine Branche und deren Wissensdomäne lösen. Innerregionaler Wissensaustausch ist wichtig, aber offensichtlich nicht ausreichend für erfolgreiche Innovationsprozesse. Notwendig erscheint vielmehr, unter dem von der wirtschaftlichen  Globalisierung ausgehenden Wettbewerbsdruck eingespielte regionale Innovationspfade zu verlassen und die Regionen zu Knoten oder Hubs auszugestalten, die unterschiedliches Wissen aus bisher vernachlässigten Bereichen und anderen Regionen kombinieren und in das eigene Innovationssystem  integrieren.

Bei einer Betrachtung der Governancestrukturen aus einer systemischen Sicht zeigt sich, dass keine der vier möglichen Governanceformen Hierarchie, Markt, Netzwerk und Gemeinschaft alle Probleme des Zugriffs auf externes Wissen zu lösen imstande sind. In den regionalen Innovations-Hubs sind folglich je nach Problemstellung und Bedarf alle vier Governanceformen zu finden. Der Erwerb von Wissen auf  Märkten ist z.B. nur in den Fällen sinnvoll, in denen ein in sich abgeschlossenes kodifiziertes Wissen (Patent) erworben und ohne Probleme in das eigene Produktionssystem integriert werden kann.  Kooperative Netzwerkarrangements  erlauben es hingegen Wissensressourcen von Unternehmen aus verschiedenen Wissensdomänen für die gemeinsame Erarbeitung von nutzbaren Wissenspaketen  (Entwicklungspartnerschaften, Allianzen) zu poolen. Wird dagegen eine Teilnahme an einer Gemeinschaft gewählt, stößt man zwar häufig auf neues Wissen, dessen Relevanz für innovatives Handeln aber meist noch unscharf ist  (Kundenkritik, Wissenschaftlerdebatten) und zahlreicher zusätzlicher Spezifizierungsschritte bedarf. Wie auch immer das regionsspezifische Governance-System der Wissensgenerierung und Innovation gestaltet ist, es ist nicht in sich geschlossen und auch nicht auf die Region beschränkt, sondern profiliert die Region zum Knoten innerhalb eines Netzwerkes regionsübergreifend und tendenziell global verteilten Wissens.

Demographischer Wandel und Entwicklung regionaler Wissenspotentiale

Verlässt man die Makroebene und betrachtet auf der Mikroebene des Systems die Akteure, ihre Interaktions- und Kommunikationsbeziehungen, so wird deutlich, dass die regionalen Wissensdynamiken wesentlich vom Wissenspotential der erwerbsfähigen Bevölkerung einer Region (Humankapital) abhängen, wobei die Wissensspezialisten besondere Fähigkeiten der Erkundung und Einbindung externen Wissens in die regionalen Innovationsprozesse mitbringen müssen und von den Wissensanwendern eine große Beweglichkeit im Umgang mit neuem Wissen verlangt wird, um dieses zu wirtschaftlich verwertbaren Innovationen umzugestalten. Der demographische Wandel und hier insbesondere auch das Schrumpfen des Nachwuchspotentials, verbunden mit einer starken Alterung des Arbeitskräftebestandes, drohen allerdings zu einer Hypothek für die regionalen Innovationsprozesse zu werden. Bisher zeigt sich jedenfalls, dass vor allem junge Menschen unternehmerische Initiativen ergreifen und auch bereits sind, den riskanten Weg radikaler Innovationen zu gehen. Bei Älteren nimmt dagegen die Innovationsbereitschaft erheblich ab, mit der Folge, dass eine stark alternde Erwerbsbevölkerung von einer abnehmenden Innovationstätigkeit begleitet wird. Vor diesem Hintergrund sind regionale Strategien zur Ausbildung und Bindung von Wissensspezialisten ebenso gefragt, wie die Förderung der fluiden Intelligenz bei den Wissensanwendern. Gelingt dies nicht, dürften regionale Strategien einer Neuausrichtung des Innovations-  und Produktionssystems kaum Erfolg haben.

Unterschiedliche regionale Voraussetzungen

Nimmt man die regionale Ebene näher in den Blick, so zeigt sich, dass nicht alle Regionen eine sich an internationalen Standards messende Wissensbasis besitzen und auch die Intensität und Ausrichtung der Innovationsprozesse von Region zu Region sich deutlich unterscheiden. Am ehesten dürfte es in den großen  Metropolräumen­ -   in den Großstadträumen von München­, Berlin und Hamburg sowie anderen Räumen mit Kernstädten über 500.000 Einwohnern – gelingen, regionale Innovationsprozesse mit überregionalen Wissensdomänen zu verknüpfen. Hier finden sich die passenden Dienstleister (Wissensspezialisten) und Anwendungsbereiche vor allem in der High-Tech-Industrie (Wissensanwender). Diversität und gleichzeitige Spezialisierung erlauben kombinatorische Innovationsdynamiken, die noch dadurch unterstützt werden, dass sich hier ein vielfältig spezialisiertes  junges Fachkräftepotential als Folge nationaler und internationale Zuwanderung konzentriert. Auch eine auf die Transformation des Innovationssystems in Richtung Ressourceneffizienz gerichtete Strategie findet hier günstige Voraussetzungen.

In den kleinen und mittleren Städten des ländlichen Raumes hingegen ist die Spezialisierung primär auf Hochtechnologiebranchen gerichtet und vielfach noch von einer kumulativen Innovationsdynamik geprägt. Die Dominanz einer alternden und zum Teil schrumpfenden Fachkräftebasis (Wissensanwender) und der vergleichsweise kleine Anteil hochqualifizierter Wissensspezialisten bremsen den Zugriff auf  räumlich verteiltes externes Wissen und damit die Innovationsdynamik. Regionale Strategien zur Stimulierung der Bemühungen, externes Wissen in die Innovationsprozesse einzubeziehen, müssen an diesen regionsspezifischen Defiziten ansetzen. Auf der Makroebene beinhaltet dies, eine kooperative Zusammenarbeit mit Hochschulen, Forschungseinrichtungen, mit Firmen anderer Wissensdomänen innerhalb und außerhalb der Region zu gestalten, mit dem Ziel der Erarbeitung von Wissensvorsprüngen in strategisch wichtigen Anwendungsbereichen. Auf der Mikroebene wird ein Bündel von Maßnahmen zur Erhaltung des regionalen Fachkräftebestandes und seiner kognitiven Beweglichkeit benötigt. Darüber hinaus sind Schritte zur Bindung und Gewinnung von hochqualifizierten Wissensspezialisten in Hochschulen und wissensintensiven Beratungsdienstleistungen die Voraussetzung für die erfolgreiche Erkundung, Entdeckung sowie Integration externen Wissens in die regionalen Innovationskontexte.

Regionale Verankerung von kombinatorischen Wissensdynamiken

Zur allgemeinen Unterstützung von Innovationsprozessen  auf der Makro- und Mikroebene des Systems sowie zur Fokussierung regionaler Innovationsprozesse wird ein regionales Wissensmanagement in Verbindung mit der Organisation von gemeinschaftlichen Diskursplattformen diskutiert (Halkier, James 2010).  Dieses lässt sich nicht im Rahmen standardisierter politisch-administrativer Handlungsroutinen gestalten. Vielmehr dürften, wie bereits für die Unternehmen beschrieben, Wissensspezialisten oder Wissensvermittler auch für  die Öffnung des gesamten regionalen Innovationssystems eine prominente Rolle spielen. In einer langfristig angelegten regionalen Perspektive können solche Wissensvermittler die Zuflüsse externen Wissens in die Region anstoßen sowie deren Umverteilung innerhalb der Region organisieren. Sie können dazu beitragen, dass die Firmen und anderen Organisationen innerhalb der Region sich zu aktiven, kenntnisreichen und wettbewerbsfähigen Spielern in der globalen Wirtschaft profilieren. Hierfür müssen sie aufgeschlossen für alle Entwicklungen außerhalb der Region sein und einen hohen Grad von Unabhängigkeit gegenüber den etablierten regionalen Wissensproduzenten besitzen. Je nach den regionalen Umständen kann diese Aufgabe von privaten Dienstleistungsunternehmen oder regionalen Entwicklungsagenturen übernommen werden.

Um dem allgemeinen Interesse Geltung zu verschaffen und das Aufgabenfeld  der operativ tätigen Wissensvermittler einzugrenzen, wird darüber hinaus eine offene  regionale Governance-Struktur, in der Gemeinschaften eine wichtigen Part übernehmen können, empfohlen. Wie bereits angedeutet, sind Gemeinschaften nur bedingt geeignet, externes Wissen für unternehmerische Innovationsprozesse zu generieren. Die Produkte der Gemeinschaft sind Kollektivgüter, „freie“ Wissensbestände, die nicht immer zu den betrieblichen Anforderungen passen. Derartige Gemeinschaften können aber als offene Kommunikationsplattformen für Personen aus Politik, Verwaltung, Politik und Gesellschaft aktiv an der (Um)Gestaltung des regionalen Innovationssystems mitwirken.  Ein regionales Wissensmanagement wird die in solchen Gemeinschaften entwickelten Ideen und Vorschlage von den Wissensvermittlern verarbeiten lassen und  mit Unterstützung der Kommunal- und Landespolitik auf verschiedenen Themenfeldern Projekte anstoßen und umsetzen (Kujath et al. 2010, S. 71, Troeger-Weiß et al. 2008, S. 37).

 

 

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